Energieausweis für Gewerbe und öffentlich genutzte Gebäude

Seit dem 01.01.2009 ist der Energieausweis Pflicht und muss beim Verkauf der Immobilie oder bei einer Neuvermietung übergeben werden. Dies gilt für Wohngebäude, Nichtwohngebäude und Mischgebäude. Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) werden unterschiedliche Anforderungen an einen Energieausweis für Wohngebäude und einen Energieausweis für Nichtwohngebäude gestellt.

  • Wohngebäude sind nach EnEV 2014 Gebäude, "die nach ihrer Zweckbestimmung überwiegend dem Wohnen dienen", einschließlich Wohn-, Alten- und Pflegeheimen sowie ähnlichen Einrichtungen.
  • Zu den Nichtwohngebäuden zählen alle Gebäude, die nicht den Kriterien eines Wohngebäudes entsprechen. Dazu zählen auch Hotels und Krankenhäuser.

Gebäude, die weniger als drei Monate im Jahr genutzt werden, unter Denkmalschutz stehen oder eine maximale Nutzfläche von weniger als 50 m2 aufweisen, sind von der Energieausweispflicht ausgenommen.

Was leistet der Energieausweis?

Der Energieausweis ist eine Art Gütesiegel und dokumentiert die Energieeffizienz der Gewerbeimmobilie. In ihm wird der aktuelle Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser, Lüftung, Kühlung und Beleuchtung erfasst. Im Gegensatz zum Energieausweis für Wohngebäude wird bei Nichtwohngebäuden auch der Stromverbrauch erfasst, da diese – je nach Nutzungsart – häufig einen sehr hohen Stromverbrauch aufweisen. Der Immobilienbesitzer erhält so einen Einblick in den energetischen IST-Zustand seines Nichtwohngebäudes sowie Empfehlungen zur Modernisierung.

Welchen Energieausweis gibt es für Nichtwohngebäude?

Für bestehende Nichtwohngebäude gibt es zwei Arten: den Bedarfs- und den Verbrauchsausweis. Es besteht die Wahlfreiheit zwischen beiden.

  • Der bedarfsorientierte Energieausweis zeigt die energetische Gebäudequalität auf: Die Kennwerte für den Energiebedarf werden rechnerisch auf der Grundlage der technischen Gebäude- und Heizungsdaten sowie unter standardisierten Rahmenbedingungen bestimmt. Die berechneten Kennwerte sind unabhängig vom Nutzerverhalten. Je mehr Daten erfasst werden, desto genauer ist das Ergebnis und desto höher ist die Aussagekraft des bedarfsorientierten Energieausweises. Der Bedarfsausweis ist bei neu zu errichtenden Nichtwohngebäuden verpflichtend.
  • Der verbrauchsorientierte Energieausweis weist den Energieverbrauch aus: Neben den allgemeinen Gebäudedaten werden die Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre erfasst. Diese werden über Klimafaktoren auf einen deutschlandweiten Mittelweit umgerechnet, um starke Witterungseinflüsse bei der Bewertung auszugleichen. Die ermittelten Kennwerte sind abhängig vom individuellen Nutzerverhalten. Die Datenerhebung ist einfacher als beim bedarfsorientierten Energieausweis.

Was kostet die Ausstellung eines Energieausweises?

In der Energieeinsparverordnung sind keine festen Kosten vorgegeben. Der bedarfsorientierte Energieausweis ist mit mehr Aufwand, z. B. einer Vor-Ort-Begehung verbunden und verursacht dadurch höhere Kosten. Oft hängen die Kosten aber auch von der Größe des Objektes ab. Es sollten mehrere Angebote eingeholt und miteinander verglichen werden. Eine Förderung für die Ausstellung des Energieausweises gibt es nicht, da dieser nach Energieeinsparverordnung verpflichtend ist.

Ggf. wird durch das BAFA aber eine Energieberatung bezuschusst. Die Zuwendungen können bis zu 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten betragen. Mit www.energie-effizienz-experten.de steht eine unabhängige Plattform qualifizierter Energieberater zur Verfügung.

Was bedeutet die Farbskala?

Die Farbskala auf dem Energieausweis zeigt den Endenergiebedarf bzw. –verbrauch für Wärme und Strom und den Primärenergiebedarf bzw. –verbrauch des Nichtwohngebäudes an. Ein modellhaft ermittelter Vergleichswert, unterschieden in Neubau und modernisierter Altbau bzw. nach Gebäudekategorie, dient zur Beurteilung und Einordnung der Energieeffizienz der Gewerbeimmobilie. Je näher der ermittelte Wert an dem Vergleichswert auf der Skala steht, desto besser.

Besteht eine Aushangpflicht für den Energieausweis?

Ja. Öffentliche Gebäude und Gewerbeobjekte mit mehr als 250 m2 Nutzfläche und starkem Publikumsverkehr müssen den Energieausweis an einer gut sichtbaren Stelle aushängen. Dabei genügt es, die Aushangseite auszuhängen. Die umfasst den Energieverbrauchskennwert bzw. Energiebedarfskennwert des Gebäudes, allgemeine Angaben zum Gebäude, die Vergleichswerte zum Endenergiebedarf bzw. zum Endenergieverbrauch und Angaben zum Aussteller. 

Reicht für ein Mischgebäude ein Energieausweis?

Bei einem Mischgebäude sind Wohnen und Gewerbe in einem Gebäude. Wenn die gewerbliche Fläche des Gebäudes mehr als zehn Prozent der Gesamtfläche beträgt, muss für beide Nutzungsformen ein separater Energieausweis vorliegen.

Sind die Modernisierungsempfehlungen im Energieausweis verpflichtend?

Der Aussteller des Energieausweises ist verpflichtet, fachlich zu prüfen, ob und welche Modernisierungsmaßnahmen für das Nichtwohngebäude möglich sind. Diese Angaben dienen als Empfehlung. Die Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen ist nicht verpflichtend. Jedoch bieten sie eine gute Möglichkeit zur gezielten energetischen Modernisierung der Gewerbeimmobilie.

Wie lange ist der Energieausweis gültig?

Alle Energieausweise haben eine Gültigkeit von zehn Jahren. Falls das Gebäude in diesem Zeitraum modernisiert werden sollte, verliert der ausgestellte Energieausweis seine Gültigkeit und muss erneuert werden. Diese Überarbeitung ist in der Regel kostengünstiger als die Erstausstellung, da meist Details angepasst werden müssen. Gebäude, deren Energieausweis bereits abgelaufen ist und in naher Zukunft verkauft, vermietet oder verpachtet werden sollen, benötigen einen neuen Energieausweis.