Gewerbe: Was ist das?

Die Energiewirtschaft unterscheidet zwischen Geschäfts-, Gewerbe- und Industriebetrieben und bietet verschiedene Tarife für diese Kundengruppe an, die von der Struktur des jeweiligen Unternehmens und vom Verbrauchsverhalten des Gewerbebetriebes geprägt sind. Die statistischen Ämter des Bundes und der Länder unterscheiden in ihren Statistiken Gewerbebetriebe nach der Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit und der Kammerzugehörigkeit – etwa der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer.

Gewerbe- und Geschäftskunden nutzen Erdgas sehr vielfältig: Als Produktions- und Heizwärme kommt es ebenso zum Einsatz wie für die Warmwasserbereitung oder zum Kühlen und Klimatisieren in z.B. Bürogebäuden. Dabei hat der Energieträger gerade aufgrund der Substituierung von Öl noch ein erhebliches Potenzial, insbesondere in Bürogebäuden, Heimen, Gaststätten und Beherbergungsbetrieben sowie im Handel. Bei einer Umstellung auf Erdgas sind die versorgungstechnischen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Ein Erdgas-Anschluss lohnt sich: Der Energieträger ist flexibel einsetzbar, ist zukunftsfähig und Gas-Technologien wie Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sind effizient und besonders wirtschaftlich.

Der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) ist ein großer Energieverbrauchssektor, besonders für Wärme. Die büroähnlichen Betriebe weisen den größten Endenergieverbrauch auf.


Zu den Gasanwendungen

Insbesondere im Bereich der Raumwärme haben gewerbliche Gasanwendungen ein hohes Erschließungspotenzial. Durch Sustitution von Heizöl können so auch die CO2-Emissionen gesenkt werden.


Zum Erschließungspotenzial

Erdgasspezifische Anwendungen im Gewerbemarkt

In der öffentlichen Diskussion zur Energiewende stehen die privaten Haushalte, Gewerbebranchen und die Industrie im Mittelpunkt. Dabei ist der GHD-Sektor in Deutschland ein großer Energieverbrauchssektor, insbesondere für Wärme.

Aufgrund zunehmender Gebäudedämmung und effizienter Anwendungstechnologien wird sich der Wärmebedarf in den kommenden Jahren zwar vermutlich verkleinern. Durch Substitution von beispielsweise Heizöl-Feuerung könnte der Marktanteil von erdgasbasierten Technologien wie Brennwertkesseln jedoch weiter gesteigert werden. Welche Potenziale konkret erschlossen werden können, hängt im Einzelfall immer von der Situation beim Endkunden ab. Diese wird maßgeblich von den folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Zur Verfügbarkeit eines Gasnetz-Anschlusses lassen sich Erkenntnisse aus der aktuellen BDEW-Studie „Wie heizt Deutschland?“ ziehen, die auf einer umfangreichen Marktanalyse beruht. Demnach ist durchschnittlich in knapp der Hälfte der Gebäude in bewohnten Gebieten, die heute eine Öl-Zentralheizung nutzen, bereits eine Gasleitung in der Straße vorhanden.
  • Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), Stand Juli 2014, schreibt vor, dass in Neubauten der Wärme- und Kälteenergiebedarf durch die anteilige Nutzung von Erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. Bei Gebäuden der öffentlichen Hand gilt dies prinzipiell auch für grundlegend renovierte Gebäude. Diese Pflicht entfällt jedoch, wenn eine Gemeinde oder ein Gemeindeverband überschuldet ist, was in Deutschland derzeit überwiegend der Fall ist.
  • Die Höhe und Struktur des Wärmebedarfs beim Endkunden ist neben Witterungsverhältnissen und Gebäudedämmung insbesondere von Branche und Größe des Endkunden abhängig. Eine besonders hohe Zahl an Gebäuden mit hohem Wärmebedarf ist im GHD-Segment in den Branchen büroähnliche Betriebe, Beherbergung und Gaststätten, Handel sowie in öffentlichen Gebäuden zu finden.

Gasanwendungen im Gewerbe

Innerhalb des GHD-Segments weist die Gruppe der büroähnlichen Betriebe den größten Endenergieverbraucht auf. Weitere Branchen mit hohem Energieverbrauch sind Beherbergungen, Gaststätten, Heime sowie der Handel. Klassische Gewerbebranchen wie beispielsweise Bäckereien oder Fleischereien weisen einen vergleichsweise geringen absoluten Endenergieverbrauch auf. gewerbegas.info hilft dabei, einen Überblick über wesentliche Kennzahlen der Branchen, ihre Abläufe und Prozesse sowie die passende Branchen-Technologien und deren Technische Regeln zu bekommen.

Hohes Erschließungspotenzial für Erdgas


Erdgas hat im GHD-Segment noch erhebliches Potenzial, insbesondere im Bereich Raumwärme. Zwar ist aufgrund zunehmender Gebäudedämmung mit einem Rückgang der Wärmenachfrage auch im GHD-Bereich zu rechnen. Es bieten sich jedoch sinnvolle Möglichkeiten, den Marktanteil von Erdgas im Wärmemarkt noch zu steigern und somit die CO2-Emissionen zu senken. Mehr als ein Fünftel der heutigen Wärmenachfrage wird durch heizölbasierte Technologien gedeckt. Elektrospeicherheizungen machen gut 2 Prozent des Raumwärmebedarfs aus.
 

Erdgas-Anschlüsse lohnen sich auch zukünftig. Substituierbare Wärmetechnologien sind in relevantem Umfang auch in Gebieten zu finden, in denen ein Gasnetzanschluss in der Straße existiert. Somit besteht ein Potenzial zur Erschließung dieser Mengen durch effiziente Erdgas-Technologien wie Brennwertkessel oder Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).
 

Das Erschließungspotenzial ist in den Gewerken büroähnliche Betriebe, Heime, Gaststätten und Beherbergungsbetriebe sowie im Handel insgesamt am größten. Weitere Potenziale sollten in Schulen und Universitäten, Krankenhäusern, im Baugewerbe sowie in Herstellungsbetrieben geprüft werden.

Flexibilisierungsoptionen

  • Ein System mit hohem Anteil volatiler erneuerbarer Energien braucht Flexibilität. Um den energiebedingten CO2-Ausstoß zu senken, wird neben der Energieeffizienz insbesondere die Nutzung der erneuerbaren Energiequellen Wind und Photovoltaik gefördert. Angesichts der dezentralen und dargebotsabhängigen Charakteristik dieser Technologien wird Flexibilität - insbesondere auf der Nachfrageseite - immer wichtiger, um die erneuerbare Einspeisung in die vorhandene Infrastruktur möglichst gut integrieren zu können. Da Erdgas aufgrund seiner geringen CO2-Intensität die ideale Ergänzung eines solchen CO2-armen Erzeugungssystems ist, gewinnt die Verknüpfung des Erdgas- und des Strommarktes zunehmend an Bedeutung.
  • Wesentliche Situationen mit Flexibilitätsbedarf sind Engpass- und Überschuss-Situationen, die lokal oder systemweit entstehen können. Engpässe können sowohl im Erdgas- als auch im Stromnetz sowie in beiden Systemen gleichzeitig auftreten. Überschuss-Situationen sind im Stromnetz ein in der Bedeutung stark steigendes Thema aufgrund des steigenden Einsatzes dezentraler und dargebotsabhängiger Erzeugung.
  • Verbraucher im GHD-Segment können einen wichtigen Beitrag zur Flexibilisierung des Energiesystems leisten. Bereits heute bestehen Flexibilitätsmöglichkeiten durch die Anpassung der Fahrweise von Erzeugungsanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder die intelligente Nutzung von Warmwasserspeichern. Insbesondere durch die Installation bivalenter Technologien, mit denen je nach Marktsituation Erdgas oder Strom für die Bereitstellung von Energiedienstleistungen wie Warmwasser oder auch Raumwärme eingesetzt wird, kann das Flexibilitätspotenzial noch erheblich gesteigert werden.
  • Zur Bereitstellung von Flexibilität stehen geeignete, marktreife Technologien zur Verfügung. Im Rahmen der Studie wurden Pufferspeicher, Power-to-Heat-Technologien und Erdgastechnologien, die elektrische Wärme- oder Kälteerzeugung substituieren können, sowie KWK-Anlagen analysiert und speziell hinsichtlich ihres Flexibilitätspotenzials untersucht.
  • Die höchsten Potenziale liegen in den Substitutionen im Wärmebereich. Da der Endenergieverbrauch im Wärmegasmarkt um Faktor 8,5 größer ist als im Wärmestrommarkt, besteht theoretisch ein größeres Potenzial für Power-to-Heat als für die Substitution von Strom durch Erdgas.
  • Solange es keine anhaltenden Strom-Überschüsse gibt, nimmt Power-to-Heat keine wesentlichen Mengen aus dem Gasmarkt. Bei Power-to-Heat wird Überschussstrom genutzt, um vorübergehend Erdgas bei der Wärmeerzeugung zu substituieren. Der wesentliche Teil der Wärmebereitstellung geschieht weiterhin durch die Erdgas-Technologie.
  • Die Möglichkeit zur Flexibilisierung von KWK-Anlagen besteht technisch, der Förderrahmen schafft dazu jedoch keinen Anreiz. Im Vergleich zur Industrie ist der KWK-Bestand im GHD-Segment noch relativ gering. Es bestehen Ausbaupotenziale. Simulationen zum flexibilisierten Betrieb von BHKWs haben insbesondere aufgezeigt, dass bei typischer Dimensionierung des BHKWs und ggf. eines Pufferspeichers hohe Volllaststunden erreicht werden können, die wenig Möglichkeiten durch Eingriffe in die Steuerung des BHKWs bieten, um zusätzliche Erlöse bei Strommangel zu erwirtschaften. Eine Steuerung, die sich stärker am Strommarkt und an den Netzbedürfnissen orientiert, kann allerdings in Stromüberschusssituationen eine positive Wirkung für das Gesamtsystem erzielen.
  • Flexibilität hat einen Wert und muss sich für den Kunden lohnen. Die spezifischen Kosten von Technologien wie Power-to-Heat oder flexiblen Spitzenkesseln sind relativ gering, sodass sich Investitionen an geeigneten Standorten bereits bei einem spezifischen Erlös von 2 ct/kWh und etwa 300 Volllastbenutzungsstunden im Jahr rechnen können. Das Signal zunehmend volatiler Marktpreise bei einem signifikanten Preisspread müsste dazu jedoch in irgendeiner Weise beim Endkunden einschließlich entsprechender Regelungen zu Netzentgelten, Abgaben, Umlagen und Steuern ankommen.
  • Größe ist von Vorteil. Da Aufwände wie Installations- und Wartungsarbeiten oder die Implementierung von Steuerungstechnik nicht proportional zur Anlagengröße steigen, lohnen sich Investitionen insbesondere für Unternehmen mit relativ großer Bezugsleistung. Allerdings ist zu erwarten, dass mit steigendem Potenzialbedarf auch kleinere Potenziale erschlossen werden müssen.
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Netzwerk für mehr Effizienz im Gewerbe

Netzwerk für mehr Effizienz im Gewerbe |  ( Datei / 0.00 B)

Die Website www.gewerbegas.info bietet die Basis für mehr Effizienz im Gewerbe und umfangreiche Informationen für Energieversorger und ihre Gewerbekunden.

Wie heizt Deutschland?

Wie heizt Deutschland? |  ( Datei / 0.00 B)

Die vielfältigen und detaillierten Ergebnisse dieser Studie zeichnen ein aktuelles Bild, aus dem sich für die Energieversorger zahlreiche wichtige Erkenntnisse und auch Impulse für den Heizungsmarkt der Zukunft ableiten lassen.

Heizungsmarkt Wohnungswirtschaft

Heizungsmarkt Wohnungswirtschaft |  ( Datei / 0.00 B)

Mit der begleitenden Broschüre zur Studie "Heizungsmarkt Wohnungswirtschaft" wurde eine Bestandsaufnahme der Heizstruktur im deutschen Immobilienbestand nach Vermietergruppen vorgelegt.