LNG: flüssiges Erdgas – vielfältige Möglichkeiten

Gerade im Schwerlast- und Schifffahrtsverkehr gewinnt Liquefied Natural Gas – LNG – immer mehr an Bedeutung und stellt eine reichweiten- und leistungsstarke Alternative zu Dieselfahrzeugen dar. Bei –162 Grad Celsius ändert Erdgas seinen Aggregatszustand: Es  wird flüssig und verringert sein Volumen um das 600-fache. Durch die Verflüssigung kann LNG einfach per Schiff, Zug oder Lkw transportiert werden und ist unabhängig von Pipelines.

LNG wird weltweit in Verflüssigungsanlagen produziert und über LNG-Importterminals per Schiff angelandet, dort wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und als Erdgas in das Gasnetz eingespeist. LNG kann aber auch verflüssigt direkt weiterverteilt werden und mit Tanklastwagen oder kleinen Tankschiffen an LNG-Tankstellen geliefert werden.

 

1. Das geförderte Erdgas wird über eine Pipeline zur Verflüssigungsanlage in einem Hafen transportiert.

2. In der Verflüssigungsanlage wird das Erdgas von Schwefel, Stickstoff und Kohlendioxid gereinigt und auf etwa minus 161 Grad Celsius heruntergekühlt. Dadurch verringert sich das Volumen auf ein Sechshundertstel.

3. Das tiefgekühlte, verflüssigte Erdgas (LNG) wird in die Tanks eines speziellen LNG-Transportschiffs gepumpt und in den Zielhafen transportiert. Die Schiffsmotoren nutzen LNG als Antriebsenergie.

4. Im Zielhafen wird das LNG am LNG-Terminal aus dem Transportschiff abgepumpt und nach der Erwärmung als Erdgas in das Erdgasnetz eingespeist. Nun kann es als Heizenergie oder in der Mobilität eingesetzt werden.

5. Eine alternative Form der Nutzung ist der direkte Transport zu einer LNG-Tankstelle. Dort werden spezielle LNG-Schwerlast-Lkws mit dem verflüssigten Erdgas betankt. Auch Schiffe können LNG als Antriebsenergie nutzen.

6. Durch die Aufbereitung von Biogas unter sehr niedrigen Temperaturen können die unterschiedlichen Siedepunkte genutzt werden, um die Bestandteile des Rohbiogases zu trennen. Das Ergebnis sind Trockeneis und flüssiges Bio-LNG.

 

LNG im Straßenverkehr

Als umweltfreundliche Kraftstoff kann LNG dazu beitragen, die Schadstoffemissionen zu reduzieren. Im Vergleich zu Diesel werden bei der Verwendung von LNG Schwefeloxid-Emissionen und Feinstaub um fast 100 %, Stickoxid-Emissionen um bis zu 90 % und der CO2-Ausstoß um rund 25 % reduziert. Strenge Umweltanforderungen wie die Euro-6-Abgasnorm können mit LNG problemlos eingehalten werden. Neben den deutlich reduzierten Abgaswerten verringern sich auch die Geräuschemissionen im Vergleich zu Diesel-Fahrzeugen um rund 50 %.

Lkw mit LNG-Antrieb erzielen Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern mit einer einzigen Tankfüllung: Durch die Verflüssigung erhöht sich gleichzeitig der Energiegehalt von Erdgas, sodass mit LNG die gleichen Reichweiten wie mit Diesel erzielt werden können. 1 Kilogramm LNG entsprechen rund 1,4 Liter Diesel. In Ländern wie Schweden, Großbritannien oder den Niederlanden ist LNG im Gütertransportverkehr bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz.

Die erste LNG-Tankstelle in Deutschland wurde 2016 in Ulm eröffnet. Anfang 2017 ging die zweite Tankstellen am östlichen Berliner Ring in Betrieb. LNG eignet sich als Kraftstoff auch für die Binnenschifffahrt. Die dafür nötige Infrastruktur entsteht derzeit: Auf dem Rhein bei Duisburg gibt es eine LNG-Tankstelle, an der sowohl Schiffe als auch Lkws tanken können. In den kommenden Jahren sollen weitere deutsche Häfen mit LNG-Tankstellen ausgestattet werden.

LNG – Die umweltfreundliche Alternative für die Schifffahrt

Erhebliche Feinstaubbelastungen durch die Binnenschifffahrt und den Hafenverkehr erfordern eine umweltschonende Alternative. LNG bietet sich als maritimer alternativer Kraftstoff zu herkömmlichen Schweröl oder Marinediesel an, denn die seit 2015 geltenden strengen Emissionsvorgaben für die Schifffahrt werden mit verflüssigtem Erdgas komplett erfüllt.

Bereits 2018 wird das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das komplett mit LNG betrieben wird, die Werft verlassen. Bis 2022 sollen zehn weitere rein mit LNG betriebene Kreuzfahrtschiffe verschiedener Reedereien fertiggestellt sein.

Fährschiffe benutzen bereits heute LNG, so zum Beispiel die Bodensee-Fähre. Die nötige Infrastruktur entsteht derzeit: Auf dem Rhein bei Duisburg gibt es eine LNG Tankstelle, an der sowohl Schiffe als auch Lkws tanken können. In den kommenden Jahren sollen weitere deutsche Häfen mit LNG-Tankstellen ausgestattet werden.

 

Förderprogramm für LNG

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert die Aus- und Umrüstung von LNG als Schiffskraftstoff mit 30 Millionen Euro. Reedereien können diese Förderung für den Neubau oder die Umrüstung bestehender Schiffe auf den umweltschonenden Kraftstoff LNG in Anspruch nehmen.

Auch die Anschaffung von LNG-Lkw fördert das Bundesverkehrsministeriums. Die Förderung richtet sich an Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis zu 10 Mio. Euro. Der Förderantrag für einen LNG-Lkw muss vor dem Kauf beim Bundesamt für Güterverkehr eingereicht werden.