Gewerbebranchen und Energiebedarfe

In der öffentlichen Diskussion zur Energiewende stehen die privaten Haushalte, Gewerbebranchen und die Industrie im Mittelpunkt. Dabei ist der GHD-Sektor in Deutschland ein großer Energieverbrauchssektor, insbesondere für Wärme.

2013 betrug der Endenergieverbrauch im GHD-Segment knapp 400 Terrawattstunden (TWh), der größtenteils durch die Energieträger Erdgas (37 Prozent), Strom (33 Prozent) und Heizöl (14 Prozent) gedeckt wurde. Der mit Abstand größte Anteil des Verbrauchs fällt für die Anwendung Raumheizung (54 Prozent) an. Der Energieträger Erdgas hat hier mit 146 TWh bereits einen Marktanteil von über 50 Prozent. Wesentliche ggf. substituierbare Verbräuche entfallen jedoch auch auf Heizöl (über 20 Prozent) und Strom (7 Prozent), hiervon ein gutes Viertel für Elektrospeicheröfen.


Aufgrund zunehmender Gebäudedämmung und effizienter Anwendungstechnologien wird sich der Gesamt-Wärmemarkt in den kommenden Jahren zwar vermutlich verkleinern. Durch Substitution von beispielsweise Heizöl-Feuerung könnte der Marktanteil von erdgasbasierten Technologien wie Brennwertkesseln jedoch weiter gesteigert werden. Welche Potenziale konkret erschlossen werden können, hängt im Einzelfall immer von der Situation beim Endkunden ab. Diese wird maßgeblich von den folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Zur Verfügbarkeit eines Gasnetz-Anschlusses lassen sich Erkenntnisse aus der aktuellen BDEW-Studie „Wie heizt Deutschland?“ ziehen, die auf einer umfangreichen Marktanalyse beruht. Demnach ist durchschnittlich in knapp der Hälfte der Gebäude in bewohnten Gebieten, die heute eine Öl-Zentralheizung nutzen, bereits eine Gasleitung in der Straße vorhanden.
  • Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), Stand Juli 2014, schreibt vor, dass in Neubauten der Wärme- und Kälteenergiebedarf durch die anteilige Nutzung von Erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. Bei Gebäuden der öffentlichen Hand gilt dies prinzipiell auch für grundlegend renovierte Gebäude. Diese Pflicht entfällt jedoch, wenn eine Gemeinde oder ein Gemeindeverband überschuldet ist, was in Deutschland derzeit überwiegend der Fall ist.
  • Die Höhe und Struktur des Wärmebedarfs beim Endkunden ist neben Witterungsverhältnissen und Gebäudedämmung insbesondere von Branche und Größe des Endkunden abhängig. Eine besonders hohe Zahl an Gebäuden mit hohem Wärmebedarf ist im GHD-Segment in den Branchen büroähnliche Betriebe, Beherbergung und Gaststätten, Handel sowie in öffentlichen Gebäuden zu finden.

Branchenspezifischer Endenergiebedarf

Aus unten stehender Abbildung geht hervor, dass innerhalb des GHD-Segments die Gruppe der büroähnlichen Betriebe den größten Endenergieverbrauch von etwa 104 TWh/a aufweist, was bereits 26 Prozent des Endenergieverbrauchs des Sektors entspricht. Weitere Branchen mit hohem Endenergieverbrauch sind Beherbergung, Gaststätten, Heime (64 TWh/a) sowie Handel (63 TWh/a). Klassische Gewerbe-Branchen wie beispielsweise Bäckereien oder Fleischereien weisen einen vergleichsweise geringen absoluten Endenergieverbrauch auf. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass im Nahrungsmittelgewerbe nur Betriebe bis 19 Mitarbeiter zum GHD-Segment gerechnet werden, während größere Betriebe der Industrie zugeordnet werden.

Hohes Erschließungspotenzial

Erdgas dominiert den heutigen Energieeinsatz im GHD-Segment und hat auf die Wärmebereitstellung bezogen einen Marktanteil von über 50 Prozent.

Erdgas hat im GHD-Segment noch erhebliches Potenzial, insbesondere im Bereich Raumwärme. Zwar ist aufgrund zunehmender Gebäudedämmung mit einem Rückgang der Wärmenachfrage auch im GHD-Bereich zu rechnen. Es bieten sich jedoch sinnvolle Möglichkeiten, den Marktanteil von Erdgas im Wärmemarkt noch zu steigern. Mehr als ein Fünftel der heutigen Wärmenachfrage wird durch heizölbasierte Technologien gedeckt. Elektrospeicherheizungen machen gut 2 Prozent des Raumwärmebedarfs aus.

Erdgas-Anschlüsse lohnen sich auch zukünftig. Substituierbare Wärmetechnologien sind in relevantem Umfang auch in Gebieten zu finden, in denen ein Gasnetzanschluss in der Straße existiert. Somit besteht ein Potenzial zur Erschließung dieser Mengen durch effiziente Erdgas-Technologien wie Brennwertkessel oder Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Das Erschließungspotenzial ist in den Gewerken büroähnliche Betriebe, Heime, Gaststätten und Beherbergungsbetriebe sowie im Handel insgesamt am größten. Weitere Potenziale sollten in Schulen und Universitäten, Krankenhäusern, im Baugewerbe sowie in Herstellungsbetrieben geprüft werden. Über eine Untersuchung der Verteilung der Unternehmensgrößen und des Anteils in städtischen und ländlichen Räumen wurde der Erschließungsaufwand in den jeweiligen Branchen abgeschätzt. Hier zeigt sich, dass büroähnliche Betriebe zwar das höchste Potenzial aufweisen, jedoch aufgrund ihrer Größenstruktur mit hohem Erschließungsaufwand verbunden wären. Im Gegensatz dazu sind in den Branchen Heime, Gaststätten und Beherbergung verstärkt mittlere und große Betriebe anzutreffen, sodass hier mit einem niedrigeren Erschließungsaufwand zu rechnen ist.

Wirtschaftlichkeitsberechnungen für Gewerbekunden

Bei einer Umstellung auf Erdgas sind auch die versorgungstechnischen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Das heißt für Sie: Sie betreuen die Kunden aus verschiedenen Gewerbebranchen nicht nur in Fragen der für den Betrieb günstigsten Tarifgestaltung, sondern kümmern sich auch in Abstimmung mit dem Geräteherstellern, dem Bezirksschornsteinfegermeister und den für die Gasinstallation zugelassenen Handwerksbetrieben und Kundendiensten der Brennerlieferanten um die installationstechnischen und abgastechnischen Einrichtungen. In dieser Beratungsphase werden auch die einzelnen Kalkulationsfaktoren für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zusammengetragen, die dem Betriebsinhaber zeigen, ob sich eine Umstellung langfristig rechnet.