Gebäudeenergiegesetz: Energetische Anforderung für Neu- und Altbau

Der Gebäudesektor verbraucht viel Energie und ist entscheidend für die Erreichung der ambitionierten Klimaziele. Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) werden die energetischen Anforderungen an thermisch konditionierte Wohn- und Nichtwohngebäuden in Deutschland, die Erstellung von Energieausweisen sowie der Einsatz von erneuerbaren Energien geregelt. Es ist zum 1. November 2020 in Kraft getreten und ersetzt die vorherigen gesetzlichen Vorgaben zu einem einheitlichen Regelwerk zu sammeln. Eingeflossen sind:

 

  • die bisherige Energieeinsparverordnung (EnEV)
  • das bisherige Energieeinspargesetz (EnEG)
  • das bisherige Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG)

 

Welche Neuerungen bringt das GEG für Bauherren und Hauseigentümer?

 

Mindeststandards für die energetische Qualität von Gebäuden

Anforderungen im Neubau

Wie schon die EnEV definiert das GEG u.a. die Vorgaben zu Gebäudehülle- und Energieeffizienz-Standards für Wohn- und Nichtwohngebäude. Die Vorgaben, die bislang für Neubauten und die Modernisierung von Altbauten galten, wurden zunächst nicht verschärft, um eine Steigerung der Bau- und Wohnkosten zu vermeiden. Erst 2023 ist eine Überprüfung der Grenzwerte vorgesehen.

Die Bemessung erfolgt über das so genannte Referenzgebäude-Verfahren. Für jedes neu geplante Gebäude wird nach genau definierten Vorgaben ein Referenzgebäude mit derselben Gebäudegeometrie modelliert. Das neu geplante Gebäude darf maximal 75 Prozent des Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes erreichen. Für die Berechnung gelten für die Energieträger vorgegebene Primärenergiefaktoren (PEF), die um GEG angepasst wurde und teilweise in Verbindung mit Technologien betrachtet werden. Diese wurden im GEG angepasst. Je geringer der im GEG definierte nicht-erneuerbare Anteil des PEF, desto umweltfreundlicher ist der Energieträger. Die erneuerbare Energie Biogas wird z.B. bei Einsatz in einem BHKW mit einem nicht-erneuerbarem PEF von 0,3 bewertet.

Neu ist, dass zur Bemessung neben dem Primärenergiebedarf nun auch der CO2-Ausstoß des Gebäudes zu Grunde gelegt werden darf. Zudem gibt es für bestimmte Gebäudetypen ein vereinfachtes Bemessungsverfahren.

Eigentümer oder Bauherren müssen die Erfüllung des Gebäudeenergiegesetzes im Rahmen des Bauantrages und ggf. nach Fertigstellung des Gebäudes mit einer Erfüllungserklärung bei der zuständigen Baubehörde bescheinigen.

 

Erneuerbare Energien sind Pflicht

Neue Gebäude sind so zu erreichten, dass der Wärme- und Kältebedarf zumindest anteilig durch die Nutzung erneuerbarer Energien gedeckt wird. Bauherren müssen sich für die Nutzung mindestens von einer erneuerbaren Energie oder einer entsprechenden Ersatzmaßnahme entscheiden. Statt der Einbindung erneuerbarer Energie gelten die Anforderungen ersatzweise als erfüllt, wenn:

 

  • die Nutzung von mind. 50 Prozent Abwärme zur Wärme- und Kälteerzeugung erfolgt,
  • durch die Nutzung von Wärme aus einer hocheffizienten KWK-Anlage der Wärme- und Kälteenergiebedarf zu mindestens 50 Prozent gedeckt wird
  • die Nutzung von Wärme aus einer Brennstoffzellenheizung der Wärme- und Kälteenergiebedarf zu mindestens 40 Prozent gedeckt wird oder
  • der bauliche Wärmeschutz um 15 Prozent verbessert und der zulässige Primärenergiebedarf eingehalten wird.

 

Für die GEG aufgeführten Energieträger gilt dabei ein spezifischer Mindestwert, der für die anteilige Deckung des gesamten Wärme- und Kältebedarfs erfüllt werden muss.

Eine Erfüllungsoption bietet die Beimischung von Biogas. Beim Einsatz in KWK-Anlagen liegt der Mindestanteil zur Wärme- und Kälteenergiebedarfsabdeckung bei 30 Prozent, bei Einsatz in Brennwertkesseln bei 50 Prozent. Durch die weitere Einbindung erneuerbare Energien, z.B. die Kombination aus Brennwertkessel und Solarthermie- oder auch Photovoltaik-Anlagen, können sich weitere attraktive Erfüllungsoptionen ergeben. Das GEG sieht auch Ersatzmaßnahmen wie einen höheren Standard beim Wärmeschutz, vor, um den zulässigen Primärenergiebedarf einzuhalten.

 

Was sind die Anforderungen der Energieeinsparverordnung im Gewerbe?

Bei umfassender Sanierung gelten GEG-Vorgaben

Der überwiegende Teil des GEG ist auf den Neubau ausgerichtet. Das Gesetzt sieht jedoch unter gewissen Voraussetzungen auch bauliche sowie anlagentechnische Nachrüstpflichten im Bestand vor wie z.B. die Isolierung von zugänglichen Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen vor. Und auch bei der Gebäudesanierung greifen die GEG-Vorgaben. Insofern über 10 Prozent der Fläche von Außenbaugruppen – also Fenster, Dach oder Außenwand – verändert werden, darf sich die energetische Qualität des Gebäudes nicht verschlechtern.

Bei einer grundlegenden Renovierung öffentlicher Gebäude muss, wie auch schon vom EEWärmeG gefordert, der Wärme- und Kältebedarf teilweise durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Als Ersatzmaßnahmen werden auch die Nutzung von Abwärme, KWK-Anlagen oder auch die Einsparung von Energie anerkannt.

 

Betriebsverbot für Öl- und Kohleheizungen

Neben der Austauschpflicht besonders alter Wärmeerzeuger ist im GEG auch das „Betriebsverbot für Heizkessel, Ölheizungen“ festgeschrieben. Ab 2026 ist es nur noch erlaubt, neue Ölheizungen einzubauen, wenn

 

  • eine anteilige Nutzung erneuerbarer Energien erfolgt oder
  • im Gebäudebestand kein Anschluss an das Gas- oder ein Wärmenetz möglich ist und gleichzeitig eine anteilige Deckung durch erneuerbare Energien technisch oder wirtschaftlich nicht möglich ist.

 

Heizungsanlagen, die älter als 30 Jahre sind, müssen auch zukünftig ausgetauscht werden, Dies gilt nicht für Niedertemperatur- und Brennwertkessel.

 

GEG-konformer Energieausweis weist Klimawirkung des Gebäudes aus

Die bisher freiwillige Angabe der CO2-Emissionen, die sich aus Beheizung, Warmwasserbereitung sowie Lüftung und Kühlung ergeben, müssen für eine GEG-konforme Ausstellung des Energieausweises ausgewiesen werden. Es besteht weiterhin die Wahlfreiheit zwischen dem verbrauchs- und dem bedarfsorientierten Energieausweis.

Bald nur noch DIN V 18599 zulässig

Die Vorgaben des GEG stehen in Bezug auf die DIN V 18599:2018-09 für Nichtwohngebäude und gekühlte Wohngebäude. Für nicht gekühlte Wohngebäude sind die Bemessungen auch noch nach DIN 4701-10 und DIN V 4108-6 möglich. Je nach Gebäude können sich daraus bei der Berechnung Vorteile ergeben. Diese Ausnahmeregelung ist allerdings bis zum 31.12.2023 befristet. Danach gilt nur noch die Technische Norm  DIN V 18599.

Der BDEW hat für seine Mitgliedsunternehmen eine „Anwendungshilfe Gebäudeenergiegesetz (GEG)“ aufgelegt. Sie erläutert die Änderungen bei den Bemessungsgrundlagen und zeigt anhand von Beispielen die Anwendung des Gesetzes bei der Planung von Gebäuden.

 

Begriffe und Definitionen aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Das Gesetz zur Vereinheitlichung des Energiesparrechts für Gebäude und zur Änderung weiterer Gesetze – das Gebäudeenergiegesetz – ist im November 2020 in Kraft getreten. Mit diesem Glossar erklären wir Ihnen die wichtigsten Begriffe des GEG.

 

A   D    E    G    H    I    J    R    T   W

 

Anlagenaufwandszahl

Mit der primärenergetischen Anlagenaufwandszahl ep wird die Effizienz der Heizungsanlage aufgezeigt. Sie beschreibt das Verhältnis der von der Anlagentechnik aufgenommenen Prmärenergie zu der von ihr abgegebenen Nutzwärme.

DIN V 18599

Die Technische Norm DIN V 18599 ist das Standardverfahren zur energetischen Berechnung von Gebäuden und erlaubt die energetische Bewertung von Gebäudehülle und Anlagentechnik.

EPBD

Energy Performance of Buildings Directive (EU-Gebäuderichtlinie)

Es handelt sich um die EU-Richtlinie 2018/844/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist ein wesentlicher Teil der Umsetzung der Energy Performance of Building Directive in nationales Recht.

Erfüllungsoption

Das Gebäudeenergiegesetz - GEG sieht verschiedene Optionen für den Einsatz erneuerbarer Energien vor. Für jede dieser Erfüllungsoptionen ist eine spezielle Quote einzuhalten. Zulässig ist es, mehrere Optionen miteinander zu kombinieren. Eine Option ist die Nutzung gasförmiger Biomasse in Brennwertkesseln oder in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

Ersatzmaßnahmen

Die Nutzungspflicht Erneuerbarer Energien kann unter gewissen Voraussetzungen auch mit bestimmten Ersatzmaßnahmen sowie mit einer Kombination von Maßnahmen erfüllt werden.

 

Gebäudenutzfläche

Bei der Gebäudenutzfläche AN handelt es sich um die nutzbare Fläche, die im beheizten/gekühlten Gebäudevolumen zur Verfügung steht. Indirekt beheizte Räume wie Treppenhäuser oder Flure werden miteingerechnet. Die Gebäudenutzfläche wird für die Bewertung des Heizenergiebedarfs eines Gebäudes benötigt und ist die Bezugsgröße für den Nachweis nach Gebäudeenergiegesetz - GEG Sie ist größer als beispielsweise die Wohnfläche.

Heizlast

Die Heizlast definiert die erforderliche Wärmeleistung die zur Aufrecherhaltung einer vorgegebenen Raumtemperatur in einem Raum oder Gebäude bereitgestellt werden muss. Weitere Informationen zur normierten Heizlastberechnung nach DIN EN 12831

Innovationsklausel

Durch die Innovationsklausel im Gebäudeenergiegesetz – GEG kann auf die Erfüllung der Anforderungen an den Primärenergiebedarf, den Transmissionswärmeschutz und auf eine separate Anforderung zur Nutzung erneuerbarer Energien verzichtet werden, wenn die Anforderungen über eine gleichwertige Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen und Einhaltung des Jahresendenergiebedarfes nachgewiesen werden.

Die Befreiung ist jedoch bei den nach Landesrecht zuständigen Behörden im Einzelfall zu beantragen, zusätzlich ist die Anwendung der Innovationsklausel bis zum 31.12.2023 befristet.

Jahres-Primärenergiebedarf QP

Der Primärenergiebedarf QP beinhaltet die Energiemenge, die zur Heizung, Lüftung und Trinkwassererwärmung unter Einbeziehung der anlagenseitigen Verluste und der vorgelagerten Prozesse außerhalb des Gebäudes aufgewendet werden muss. Der spezifische Primärenergiebedarf QP wird mit Bezug auf die Nutzfläche angegeben. Bei der Berechnung der Primärenergiebedarfswerte werden die Primärenergiefaktoren nach den Vorgaben des GEG verwendet.

 

Referenzgebäude

Das nachzuweisende Gebäude wird mit einem sogenannten Referenzgebäude verglichen, das in Geometrien, Art der Nutzung, Ausrichtung nach Himmelsrichtung dem realen Gebäude entspricht, jedoch mit festgelegten Standard-Vorgaben zur Beheizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und zu den Bauteilen berechnet wird. Durch den Vergleich wird ein maximal zulässiger Primärenergiebedarf ermittelt.

Transmissionswärmeverlust

Der spezifische Transmissionswärmeverlust (HT´) gibt an wie hoch die Wärmeleitung  aller Hüllflächen (Wände, Fenster, Türen, Dach) bezogen auf die gesamte wärmeumschließende Fläche der Gebäudehülle ist. Der HT´ wird in Watt pro m² und Kelvin (W/m²K) angegeben.

Wärmedurchgangskoeffizient

Der Wärmedurchgangskoeffizient (auch U-Wert genannt) gibt an, welche Wärmemenge durch z.B. Bauteile hindurch gelassen wird. Die im Gebäudeenergiegesetz - GEG benannten Anforderungswerte an den Wärmedurchgangskoeffizienten sind zu berücksichtigen.

Wärmeversorgung im Quartier

Die im Gebäudeenergiegesetz – GEG  formulierte Quartierslösung befreit die Einzelgebäude von den Anforderungen an die Nutzung von erneuerbaren Energien, sofern diese in der Gesamtheit der im Quartier betrachteten Gebäude erfüllt werden. Die Anforderungen an den Primärenergiebedarf und den baulichen Wärmeschutz sind hingegen auch für jedes Einzelgebäude einzuhalten.